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Wohin steuert Österreichs Gastgewerbe? 2

In der vergangenen Woche haben wir eine Prognose auf die Trends des Jahres 2026 in der Gastronomie gewagt. Im zweiten Teil des Neujahrskommentars wollen wir einen Blick auf den Tourismus und weitere Rahmenbedingungen innerhalb der Branche werfen. Ein Kommentar von Clemens Kriegelstein

Auch 2026 bleibt der Kampf um Fachkräfte brisant. Der demografische Wandel ist deutlich zu spüren, und trotz zahlreicher Initiativen gelingt es nur wenigen Betrieben, ihr Personal langfristig zu binden. Gleichzeitig entstehen neue, intelligente Lösungsansätze: Viele Betriebe setzen verstärkt auf flexible Beschäftigungsmodelle, Job-Sharing oder saisonübergreifende Kooperationen zwischen Hotellerie und Gastronomie. Innovative Unternehmer gründen Cluster, die Personal gemeinsam schulen, beschäftigen und über die Nebensaison hinaus beschäftigen.

Ein noch junges Phänomen: der Einsatz von KI-gestützten Tools im Personalmanagement. Sie helfen, Dienstpläne zu optimieren, Bewerbervorauswahl zu treffen oder Mitarbeiterzufriedenheit anonym zu messen. Das klingt nüchtern, hat aber einen klaren Effekt: weniger Überstunden, gerechtere Arbeitszeiten und bessere Bindung.

Künstliche Intelligenz: Vom Schlagwort zum Werkzeug

Kaum ein Thema prägt 2026 so sehr wie die Künstliche Intelligenz (KI). Was vor zwei Jahren noch als „Trendthema“ galt, ist nun Arbeitsalltag. Hotels nutzen KI-gestützte Systeme, um Buchungsdaten zu analysieren und Preisstrategien dynamisch anzupassen. KI schreibt heute keine Zukunftsprognosen mehr, sondern beantwortet konkrete operative Fragen: Wann braucht man zusätzliches Reinigungspersonal? Welche Speisen verkaufen sich bei welchem Wetter? Welche Gästebewertungen deuten auf verdeckte Probleme im Service hin?

Auch im Marketing ist KI längst angekommen. Automatisch generierte Social-Media-Posts, personalisierte Newsletter oder virtuelle Concierge-Systeme gehören mittlerweile zur Grundausstattung moderner Betriebe. Doch der entscheidende Unterschied zeigt sich im Umgang: Die erfolgreichsten Häuser verstehen KI nicht als Ersatz menschlicher Begegnung, sondern als Werkzeug, um wieder mehr Zeit für diese Begegnungen zu schaffen.

Österreich als „Wohlfühlland“ 2.0

Im internationalen Wettbewerb positioniert sich Österreich zunehmend als Land der menschlichen Maßstäbe. Während andere Destinationen auf Gigantismus setzen, versuchen heimische Betriebe mit Intimität, Gastlichkeit und Authentizität zu punkten.

Die Städte investieren in neue Formen des „Quality Tourism“ – weniger Masse, mehr Erlebnis, etwa über kleine Kulinarikfestivals, Handwerksmärkte oder thematische Genussrouten. Die ländlichen Regionen wiederum profitieren von einer wachsenden Sehnsucht nach Entschleunigung und Echtheit. Und: Immer mehr Regionen werden sich etwas einfallen lassen, um einen „Overtourism“ zu stoppen, bzw. in richtige Bahnen zu lenken, bevor die Stimmung der örtlichen Bevölkerung kippt.

Menschlichkeit als Schlüsselkompetenz

So sehr Zukunftsthemen wie KI, Nachhaltigkeit oder Automatisierung die Schlagzeilen dominieren – der entscheidende Erfolgsfaktor für Österreichs Gastronomie und Hotellerie im Jahr 2026 bleibt der Mensch. Gäste spüren sofort, ob ein Betrieb Haltung, Leidenschaft und echte Gastfreundschaft lebt. Technologie kann vieles erleichtern, aber sie ersetzt keine Emotion, kein Lächeln und kein Gespräch am Tisch.

Wer es schafft, Innovation mit Persönlichkeit zu verbinden, wird auch in diesem dynamischen Jahr erfolgreich sein – nicht trotz der Veränderungen, sondern gerade wegen ihnen.

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geschrieben am

13.01.2026