Wohin steuert Österreichs Gastgewerbe? 1
Vorab ein herzliches Prosit 2026 an alle Leser von gastroreport.at! Das neue Jahr beginnt für Österreichs Gastgewerbe mit widersprüchlichen Gefühlen: Aufbruch und Unsicherheit, Chancen und Druck, digitaler Wandel und menschliche Sehnsucht stehen einander wie zwei Seiten derselben Medaille gegenüber. Wer sich in diesen Monaten in den Betrieben umhört, spürt: Die Branche steht nicht still, aber sie verändert sich schneller als je zuvor.
Nach Jahren der Kostensteigerungen, Energiekrisen und Arbeitskräftemangel hat sich die wirtschaftliche Lage leicht stabilisiert – doch auf einem neuen Niveau. Energiepreise bleiben hoch, die Inflation zieht weniger steil an, aber das Preisbewusstsein der Gäste hat sich verändert. Viele Österreicher gönnen sich nach wie vor Genussmomente, doch sie sind selektiver geworden: Qualität statt Quantität lautet die Devise.
Für die Gastronomie bedeutet das, dass Preiserhöhungen zwar akzeptiert, aber nicht mehr in jedem Ausmaß kritiklos hingenommen werden. Transparenz, Regionalität und ehrliche Kommunikation gewinnen an Wert. Gäste wollen wissen, warum ein Menü 90 Euro kostet – und hören dabei lieber von Handarbeit, regionalen Lieferanten und nachhaltiger Bewusstseinsbildung als von gestiegenen Energiekosten.
Weiter anhalten wird wohl der Trend zu regionalen, nachhaltigen Produkten – Klasse statt Masse. Der vegane Hype dürfte indes seinen Höhepunkt erreicht haben. Angebot und Nachfrage der vegetarischen Kochlehre, um die verbissen gekämpft wurde, halten sich noch in engen Grenzen. Das Shooting-Star-Konzept aller Veganer, die „Swing Kitchen“, musste letztes Jahr Insolvenz anmelden, McDonald’s hat den McPlant von der Karte gestrichen und Burger King hat seine vegane Filiale beim Westbahnhof schon vor über zwei Jahren in ein herkömmliches Outlet umgewandelt. Jetzt könnte man mutmaßen, dass gerade Burger und Veganismus ohnehin nicht unbedingt die perfekte Symbiose bilden, aber ein Bild setzt sich schon durch: Vegane Kulinarik wird von jungen, eher grün sozialisierten Journalisten in den Medien gerne gefeiert, aber abseits großstädtischer Studentenregionen tut man sich damit nach wie vor schwer. Dass es kein Nachteil ist, anspruchsvolle vegane Gerichte AUCH anzubieten, ist dabei kein Widerspruch und hat sich ohnehin schon lange herumgesprochen.
Ein anderer Kulinariktrend, der dagegen gekommen ist, um zu bleiben, ist „No/low-Alcohol“. Alle Statistiken zeigen, dass immer weniger Alkohol konsumiert wird. Das liegt in erster Linie an der jungen Generation, die deutlich weniger trinkt als es etwa bis in die 2000er-Jahre üblich war, aber auch ältere Semester legen aktuell plötzlich einen „dry January“ ein oder verzichten in der Fastenzeit auf Wein, Bier & Co – nicht aus religiösen, sondern aus gesundheitlichen Motiven. Wer mit einem AF-Angebot abseits von gespritztem Apfelsaft aufwarten kann, hat hier schon mal gute Karten. Die Industrie ist jedenfalls fleißig dabei, alkoholfreie Alternativen zu entwickeln. Beim Bier funktioniert das inzwischen schon ganz gut, bei alkoholfreiem Wein und Sekt muss man derzeit zwar noch eine gewisse Leidensfähigkeit mitbringen, es ist aber wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch hier akzeptable Ergebnisse ins Glas kommen werden.
In der kommenden Woche soll an dieser Stelle in einem zweiten Teil ein Ausblick auf die Themen Tourismus, Personal und Technik geworfen werden.