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ÖHV-Präsident Walter Veit

„Strompreis auch für Tourismusindustrie“

ÖHV-Präsident Walter Veit im Gespräch mit Clemens Kriegelstein über aktuelle Nächtigungszahlen, problematische Ortstaxenerhöhungen und warum er leichter Arbeitskräfte aus Albanien als aus Favoriten bekommt.

gastroreport: Hr. Veit, wie ist Weihnachten gelaufen? Waren die Buchungen ok?

Walter Veit: Eigentlich sehr gut, da gibt es keinen Grund zur Klage. Wir sehen einen Trend hin zu Urlaub schon in der ersten Weihnachtswoche. Früher sind die Leute oft erst am 25. oder 26. Dezember weggefahren, mittlerweile verbringen immer mehr – auch Familien – den Heiligen Abend in einem Hotel, weil man sich die ganze Arbeit sparen möchte. Silvester läuft ohnehin immer gut. Also ja – die Weihnachtsferien sind sehr gut gelaufen für die Branche.

In den letzten Jahren hat – egal ob Sommer oder Winter – ein Tourismusrekord den nächsten gejagt. Sehen Sie für 2026 weiter positive Anzeichen?

Ostern ist wieder relativ früh heuer, da ist eine Prognose schwierig, aber bis in den Februar hinein schaut mal alles gut aus. Alles danach hängt natürlich auch von der Schneelage ab. Auf der anderen Seite setzen immer mehr Betriebe auch schon zu Ostern auf andere Aktivitäten, etwa Radfahren. Das spricht wieder andere Gästegruppen an, was wiederum den Ganzjahrestourismus unterstützt. Wir sind also zuversichtlich, rechnen nicht mit besonderen Ausreißern nach oben oder unten.
Der Sommer wird auch immer wetterunabhängiger. Die Häuser haben alle große Wellnessbereiche, in denen man ein oder zwei Tage Schlechtwetter gut überbrücken kann. Generell sehen wir einen Trend zu mehr, dafür kürzeren Urlauben. Leider auch zu immer kurzfristigeren Buchungen, was natürlich unangenehm ist, wenn ich meine Dienstpläne drei Wochen im Vorhinein fixieren soll. Aber von der Auslastung her sind wir auch für den Sommer optimistisch.

Wie sieht die Personalsituation derzeit – speziell in den Skigebieten – aus?  

Es ist insgesamt besser geworden, aber wir können die benötigten Fachkräfte bei weitem nicht mit heimischen Mitarbeitern abdecken. Da haben uns das höhere Saisonnierkontingent und auch die Stammsaisonnierregelung geholfen. Und es sind auch etliche Arbeitskräfte aus der Baubranche wieder zurückgekehrt, nachdem es dort leider nicht so gut läuft. Auch viele Leute, die etwa als Masseure oder Kosmetikerinnen tätig waren, die während Corona in den Pflegebereich gewechselt sind, sind wieder zurückgekommen.

Ist unser System derzeit der Weisheit letzter Schluss? Das Gastgewerbe in Österreich braucht dringend Mitarbeiter und jedes Jahr kommen unzählige Drittstaatenangehörige zu uns – allerdings unter dem Deckmantel „Asyl“. Wäre es nicht besser, die Rot-Weiß-Rot-Karte zu vereinfachen und so Arbeitskräfte ins Land zu holen statt Almosenempfänger?

Das ist eine gute Frage. Ich bin schon lange der Meinung, dass wir zuerst mal die Leute beschäftigen sollten, die wir schon im Land haben. Wir haben allein im Osten von Österreich zahllose Arbeitskräfte, die wir im Westen dringend brauchen könnten. Aber ich bekomme heute leichter einen Mitarbeiter aus Albanien zu mir nach Obertauern als einen Arbeitslosen aus Favoriten. Da stimmt natürlich im System etwas nicht und das liegt auch am politischen Willen dahinter. Wir sollten dieses System aber hinterfragen, weil es sonst irgendwann die Gesellschaft spaltet, wenn die einen arbeiten und die andern es sich in Wien bequem machen, weil sie keine Lust haben, den Arbeitsplatz zu wechseln. Dazu kommt: Wir sind eine Dienstleistungsbranche. In die Fabrik kann ich jemanden hinstellen, der unfreundlich ist und ein langes Gesicht macht. Das ist der Maschine, die der bedient, egal. Aber ich kann so jemanden nicht als Kellner oder Rezeptionist oder auch nur als Kofferträger verwenden.

Sie haben aktuell gefordert, dass künftig neue Gesetze vor Inkrafttreten von Branchenkennern einem Praxischeck unterzogen werden. Besteht da nicht die Gefahr, dass es bei allen neuen Gesetzesvorschlägen heißt „das geht nicht“?

Das Problem heute ist ja, dass Gesetze verabschiedet werden und kein Mensch danach hinterfragt, ob die sinnvoll waren oder nicht. Aber viel einfacher wäre es ja, im Vorhinein zu überlegen, ob ein Gesetz Sinn macht. Von der Idee werden wir auch nicht runtergehen, dass es Praktiker braucht, die schon im Vorfeld mitreden. Der Industrie gelingt das teilweise ganz gut, unserer Branche leider nicht so, weil jeder, der einmal in einem Hotel auf Urlaub war, zu wissen glaubt, wie die Branche funktioniert.

Gemeinsam mit der Gastronomie wird auch der Hotellerie gerne der Schwarze Peter zugeschoben, wenn es um das Thema Inflation geht. Wenn man sich die Nächtigungszahlen ansieht, ist das Publikum aber gerne bereit, die geforderten Preise zu bezahlen. Staatssekretärin Elisabeth Zehetner hat in einer Podiumsdiskussion am ÖHV-Kongress den Hotels sogar dazu gratuliert, dass sie diese hohen Preise am Markt durchsetzen können. Also diesbezüglich alles paletti?

Nein, nicht alles paletti. Das Lob der Staatssekretärin ist zwar gut angekommen und es ist gut, dass wir – halbwegs – eine Preisdurchsetzung haben. Aber warum läuft der Tourismus gut bei uns? Weil wir eben einen Preislevel haben, den der Gast akzeptiert. Wenn wir unsere Preise um ein drei Prozent erhöhen, um wieder höhere Margen zu haben, mehr Spielraum für Investitionen, dann wird das der Gast nicht akzeptieren.

Sie sagen, dass drei Prozent plus schon ein Problem wären. In Wien steigt demnächst die Tourismusabgabe um knapp fünf Prozent – und damit wohl auch die Zimmerpreise. Wie wird das werden?

Das ist ja der absolute Wahnsinn und das ist leider von den Wiener Kollegen auch zu leicht akzeptiert worden. Das wird natürlich die Preise erhöhen, das wird wieder die Inflation anheizen und auch auf den Reiz von Wien als Kongressdestination kann sich das negativ auswirken. Kongressveranstalter schauen ja auch aufs Geld und wenn ich für 1000 Leute einen Kongress veranstalte, dann habe ich diese Preisaufschläge mal 1000. Klar, dass sich das bemerkbar macht. Ich weiß auch von Kollegen, die jedes Jahr mit großen Reiseveranstaltern Kontingente aushandeln. Die kalkulieren oft für viele Jahre mit bestimmten geringen Preisaufschlägen. Wenn man denen plötzlich zusätzlich die Preise um fünf Prozent erhöht, dann werden die nicht mitspielen.

Wie groß ist die Gefahr, dass auch andere Gemeinden plötzlich den Tourismus als Füllhorn für die chronisch leeren Kassen entdecken und ähnliche Wege wie Wien einschlagen?

Diese Erhöhung in Wien hat natürlich gewisse Begehrlichkeiten auch in anderen Bundesländern geweckt. Teilweise sind die Ortstaxen bzw. Nächtigungsabgaben auch schon erhöht worden – vor allem in sozialdemokratisch regierten Bundesländern wie Kärnten oder dem Burgenland. Aber auch in Niederösterreich schaut man schon mit großen Augen auf Wien. Aber das ist natürlich ein Unding. Vor allem ist das ja auch wettbewerbsverzerrend, wenn einer in einer Gemeinde deutlich höhere Nächtigungsabgaben zahlen muss als der Kollege in der Nachbargemeinde, die zufällig in einem anderen Bundesland liegt. Da wäre ein gemeinsames, österreichweit geltendes Tourismusgesetz eine große Hilfe.

Mandarin Oriental-Generaldirektor Mario Habicher hat kürzlich in einem Interview sogar gemeint, Wien habe im internationalen Vergleich bei den Zimmerraten durchaus noch Luft nach oben. Sehen Sie das auch so?

In seinem Segment sicher. Mandarin-Oriental ist eine Weltmarke, die haben ein Alleinstellungsmerkmal. Ein familiengeführtes 4-Sterne-Hotel – so gut das auch sein möge – wird so eine Preisrallye nicht mitgehen können. Aber es wäre durchaus positiv, wenn Mandarin-Oriental die Luft nach oben bei den Preisen ausnützt, weil das dann den Hotels darunter auch wieder mehr Spielraum gibt.

Einige Billigfluglinien wie Wizzair oder Ryanair planen für heuer, ihre Kontingente für Wien ganz aufzugeben oder zumindest zu reduzieren. Rechnen Sie dadurch mit Auswirkungen auf den Tourismus in der Ostregion? Die AUA hat gefühlt jedenfalls schon an der Preisschraube gedreht.

Natürlich tut so eine Entwicklung weh, jede Flugverbindung, die wir in Wien verlieren tut weh. Der Flughafen hat auch reagiert und will jetzt im Frühjahr die Landegebühren reduzieren. Aber – und da rede ich jetzt als Salzburger – was auch sehr negativ war, war der Wegfall der Verbindung Wien-Salzburg. Diese Verbindung gab es dreimal am Tag und die war dreimal am Tag ausverkauft, hauptsächlich von Leuten, die Wien zum Umsteigen genutzt haben. Keiner, der zum Skifahren kommt, steigt in Wien aus dem Flieger, fährt zum Bahnhof, fährt mit der Bahn nach Salzburg und schaut dann, wie er weiter nach Saalbach kommt. Der nimmt dann den Flieger nach Innsbruck und bleibt gleich in Tirol zum Skifahren. Das spüren wir tatsächlich sehr stark.

Vor allem die Energie- und Personalkosten belasten die Branche. Welche Maßnahmen würden Sie sich wünschen, um dieser Teuerungsspirale Herr zu werden?

Bei den Personalkosten wäre es einmal wichtig, dass es keine neuen Belastungen etwa bei den Lohnnebenkosten gibt. Dass sich budgetär nichts abspielt, wissen wir ohnehin. Aber auch den Bürokratiewahnsinn etwa bei der Lohnverrechnung könnte man vereinfachen, vereinheitlichen und damit den Unternehmen Geld sparen. Bei der Energie: Schön, dass die Industrie jetzt einen Industriestrompreis bekommt, damit sie international wettbewerbsfähig bleibt, aber was ist mit der Hotellerie? Wir stehen auch im internationalen Wettbewerb. In der Politik ist sonst gerne von der „Tourismusindustrie“ die Rede. Wo bleibt jetzt der günstigere Strompreis für uns? Es ist ja ok, wenn Stromproduzenten auch Gewinne machen, aber Rekordgewinne auf Kosten der Allgemeinheit über die sich dann die Länder als Eigentümer freuen? Aber wenn wir das Thema ansprechen, heißt es von der Politik „Tuts euch nix an, ihr habts eh so hohe Nächtigungszahlen“.

geschrieben am

19.01.2026