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Vegane Gerichte sind in der Gastronomie zwar auf dem Vormarsch, aber jeder Wirt hat auch das Recht, sich diesem Trend zu verweigern.

Wirte sind kein Wunschkonzert

Wer sich heute öffentlich dazu bekennt, keine veganen Gerichte anzubieten, muss sich bisweilen warm anziehen. Da versteht die einschlägige Community nämlich keinen Spaß, wie etwa ein Tiroler Hüttenbetreiber feststellen musste. Ein Kommentar von Clemens Kriegelstein

Kennen Sie den? Woran erkennt man einen Veganer? Keine Sorge, er wird es Ihnen erzählen…

Ja, der Witz ist uralt und nicht mal besonders gut, bitte um Verzeihung, aber wie bei vielen Witzen hat es auch hier ein Körnchen Wahrheit. Der Grund für den aufgewärmten Kalauer liegt nämlich in einem Vorfall, der zwar schon knapp ein Jahr alt ist, aber offenbar im Zuge des Sommerlochs in den vergangenen Wochen von vielen Medien wieder aufgegriffen wurde. Denn auf der Johannishütte am Großvenediger hat der Wirt den einen Satz auf die Speisekarte geschrieben: „Da wir diese kleinstrukturierte Land- und Almwirtschaft erhalten wollen, kochen wir nicht vegan.“ Mehr hat er nicht gebraucht. Ein Hüttengast hat diesen Satz fotografiert, in irgendeinem unsozialen Medium hochgeladen und in der einschlägigen Community ist die Hölle losgewesen. Ein regelrechter Shitstorm ist auf die Betreiber hereingebrochen inkl. typischer Ein-Sterne-Bewertungen von Leuten, die mit Sicherheit noch nie einen Fuß in die Hütte gesetzt haben. Eine Zeitlang haben die Betreiber sogar um ihren Pachtvertrag gefürchtet.

Der Fall zeigt leider exemplarisch die Macht sozialer Medien, wenn eine auch noch so kleine, dafür aber militante und laute Gruppe drauf zu spielen gelernt hat. Und – ganz nebenbei – zeigt sie, warum für manche Leute Veganismus noch immer nicht bloß eine spezielle Ernährungsform ist, sondern einen gewissen Beigeschmack von Ideologie hat. Internet-Sternchen wie die selbsternannte „militante Veganerin“ Raffaela Raab tun mit ihren Auftritten dann ein Übriges für das nicht ganz unproblematische Image.

Dabei wäre die Sache eigentlich klar: Ein Wirt hat ein bestimmtes Angebot zu einem bestimmten Preis – wenn mir beides zusagt, gehe ich hin, wenn nicht, dann eben nicht. Das gilt für alle Betriebe, von der Berghütte bis zum Sternerestaurant. Auch Juan Amador hat vor ein paar Jahren in einem Gespräch mit dem Autor zu dem Thema gemeint: „Wir haben zwar immer wieder auch Vegetarier bei uns und wenn wir das vorher wissen ist das auch kein Problem, dann gibt’s eben eine vegetarische Speisenfolge. Was wir grundsätzlich nicht machen, ist vegan. Das wäre so, als würde ich ins TIAN gehen und dem Paul Ivic sagen, er soll mir ein Steak machen. Der würde mich auch fragen, obs mir noch gut geht. Wir versuchen Vieles möglich zu machen, aber wir sind kein Wunschkonzert!“

Jetzt gibt es zwar gerade in der heutigen Zeit viele Gastronomen, die dem Zeitgeist entsprechend, je nach Zielgruppe, ihr vegetarisches oder eben sogar veganes Angebot ausweiten – und manche eben nicht. Einen Wirt für sein kulinarisches Angebot zu kritisieren ist ebenso witzlos wie ein Sternerestaurant dafür zu kritisieren, dass das Menü mehrere hundert Euro kostet. Wenn dir das Angebot nicht zusagt, geh woanders hin, es gibt offensichtlich genügend Leute, denen es zusagt. Einem Gastronomen den eigenen Ernährungsstil – notfalls mit Fake-Bewertungen – aufzwingen zu wollen, ist jedenfalls kein taugliches Mittel.

P.S.: Hiermit darf ich auch die sommerbedingte zweiwöchentliche Erscheinungsweise des Gastroreport-Newsletters für beendet erklären. Ab sofort bekommen Sie wieder jeden Mittwoch das Neueste und Wichtigste aus Gastronomie, Hotellerie und Tourismus in Ihr Postfach geliefert.

geschrieben am

12.09.2026