„Wir wollen das beste Hotel Wiens werden“
gastroreport: Hr. Habicher, wie positioniert sich das Mandarin Oriental innerhalb der Wiener Hotellerie? Ich gehe davon aus, dass eine 5-Sterne-S-Klassifizierung das Ziel sein wird.
Mario Habicher: Ja natürlich. Mandarin Oriental-Hotels sind überall in der Top-Kategorie und auch in Wien positionieren wir uns im Top-Luxussegment. Anspruch ist, das beste Hotel in Wien zu werden, nicht nur bei der Ausstattung, sondern auch im Service.
Da wird das Sacher vermutlich Einspruch erheben…
(lacht) Ich glaube, wir verstehen uns in Wien insgesamt als sehr kollegiale und partnerschaftliche Branche. Gleichzeitig spornen wir einander zu Höchstleistungen an – und das ist auch gut so, denn Stillstand bedeutet bekanntlich Rückschritt. Ein neuer Mitbewerber bringt frische Impulse in die Stadt, und letztlich profitieren wir alle davon, wenn das Qualitätsniveau der Wiener Hotellerie insgesamt weiter steigt.
Eigentümer der Immobilie ist ja die Brisen Group, die auch die kolportierten 220 Mio. Euro investiert haben. Mandarin Oriental ist also hier der Betreiber?
Zu den genauen Investitionskosten kann ich keine Angaben machen, da diese nicht im Verantwortungsbereich von Mandarin Oriental liegen. Richtig ist jedoch, dass die Brisen Group als Eigentümer die Entwicklung der Immobilie verantwortet hat – und zwar in enger Zusammenarbeit mit Mandarin Oriental, um sicherzustellen, dass unsere internationalen Marken- und Qualitätsstandards von Beginn an vollständig umgesetzt werden. Mandarin Oriental tritt in diesem Projekt als Betreiber auf und hat hierfür einen langfristigen Managementvertrag über mehrere Jahrzehnte abgeschlossen.
Wie hoch ist der durchschnittliche Zimmerpreis?
Der durchschnittliche Zimmerpreis variiert selbstverständlich je nach Saison und Nachfrage. Aktuell bewegen wir uns im Schnitt bei rund 650 bis 700 Euro. Unser Anspruch ist es dabei, uns auch preislich im absoluten Top-Segment zu positionieren.
Und was kostet die teuerste Suite und wie groß ist die?
Unsere exklusivste Suite liegt je nach Zeitraum bei etwa 11.000 bis 14.000 Euro pro Nacht. Sie verfügt über rund 180 Quadratmeter und kann bei Bedarf auf bis zu 240 Quadratmeter erweitert werden. Besonders erfreulich war, dass wir diese Suite bereits im Dezember erfolgreich vermieten konnten – zu einem sehr stimmigen Preis, der sowohl für unsere Gäste als auch für uns optimal gepasst hat.
Wie sehen Sie das Preisniveau von Hotelzimmern im Luxussegment in Wien im internationalen Vergleich? Gibt es da Potential nach oben?
Ja, dieses Potenzial sehe ich durchaus – und es ist auch Teil unserer langfristigen Zielsetzung. Im internationalen Vergleich mit anderen europäischen Metropolen wie Rom, Paris oder London bietet Wien nach wie vor ein außergewöhnlich starkes Preis-Leistungs-Verhältnis. Ich würde Wien nicht als günstig bezeichnen, wohl aber als moderat positioniert im Verhältnis zur gebotenen Qualität.
Gerade deshalb sehe ich Wien als Standort mit Entwicklungsspielraum im Luxussegment. Unser Anspruch ist es, diesen Weg aktiv mitzugestalten: weg von Quantität, hin zu Qualität. Eine nachhaltige Preisstruktur ist dabei essenziell – nicht zuletzt, um den hohen Serviceanspruch langfristig sicherzustellen. Mit rund 240 Mitarbeitern im Haus investieren wir bewusst in exzellente Servicequalität. Dafür braucht es gesunde Raten, denn für uns ist der Wert pro Gast letztlich wichtiger als reines Volumen.
Und diese Raten sehen Sie à la longue auch durchsetzbar?
Ja, davon bin ich überzeugt. Natürlich gibt es auch in Wien saisonale Phasen – etwa im ersten Quartal –, in denen die Nachfrage etwas ruhiger ist und sich dies auch in den Raten widerspiegelt. Entscheidend ist jedoch die Betrachtung über das Gesamtjahr, und hier sind diese Raten aus unserer Sicht absolut realisierbar.
Der Wiener Tourismus befindet sich insgesamt im Wachstum, und unsere Zielmärkte zeigen sich – trotz der aktuellen geopolitischen Herausforderungen – stabil. Besonders die Entwicklung in den ersten vier Wochen des Dezembers stimmt uns sehr positiv und bestärkt uns in unserer Zuversicht, diesen Kurs nachhaltig fortsetzen zu können.
Wie hoch ist die erwartete Auslastung?
Im ersten Jahr rechnen wir hier im Schnitt mit etwa 60 Prozent.
Wer ist Ihre Zielgruppe? Business oder eher Leisure?
Hauptsächlich der Leisure-Bereich.
Wie sieht der erwartete Mix bei den Buchungen aus: OTAs, direkt, Reisebüros?
Wir verzeichnen einen sehr hohen Anteil an Direktbuchungen, insbesondere durch loyale Stammgäste, die Mandarin Oriental bereits aus anderen Destinationen kennen. Diese sogenannten “Fans of M.O.” sind Teil unseres internationalen Loyalitätsprogramms und nutzen häufig auch die Mandarin Oriental App, über die sie direkt buchen können.
Grundsätzlich sind für uns jedoch alle Vertriebskanäle relevant – dazu zählen selbstverständlich auch Reisebüros und OTAs. Interessanterweise spielt auch die telefonische Buchung nach wie vor eine wichtige Rolle. Das hat einen klaren Grund: Im persönlichen Gespräch lassen sich Wünsche, Details und individuelle Erwartungen besonders gut klären. Genau diesen persönlichen Service schätzen unsere Gäste sehr. Am Telefon können wir maßgeschneiderte Angebote erstellen und bereits vor der Anreise eine enge Beziehung zum Gast aufbauen – ein zentraler Bestandteil unserer Servicephilosophie.
Wie ist die Situation an der Mitarbeiterfront? Sind Sie voll besetzt und welche Konzepte gibt es zur Mitarbeiter-Suche?
Wir sind derzeit tatsächlich voll besetzt und beschäftigen rund 240 Mitarbeiter. Als ich dieses Projekt übernommen habe, war genau das eine meiner größten Herausforderungen: innerhalb eines knappen Jahres ein so großes Team aufzubauen. Umso erfreulicher ist es, dass uns dies gelungen ist.
Ein neu eröffnetes Hotel – und insbesondere der Name Mandarin Oriental – wirkt hier sicherlich als starker Anziehungspunkt. Vor allem aber freut es mich, dass wir heute ein junges, engagiertes und hochmotiviertes Team haben, das tagtäglich hervorragende Arbeit leistet.
In der Mitarbeitergewinnung setzen wir auf eine Kombination aus klassischem Recruiting, gezielten Stellenausschreibungen und einer starken Präsenz auf Social Media. Zusätzlich haben wir zwei Recruitment Days veranstaltet, die sehr erfolgreich waren – mehrere hundert Interessierte sind gekommen, und wir konnten zahlreiche neue Kollegen für uns gewinnen. Ergänzend dazu wechseln auch Mitarbeiter aus anderen Mandarin Oriental Häusern zu uns, was einen großen Mehrwert für unsere Standards, unsere Kultur und den Wissenstransfer darstellt.
Schulen Sie die Mitarbeiter selbst?
Ja, die schulen wir selbst ein, es gibt natürlich internationale Standards bei uns. Darüber hinaus ist es unser erklärtes Ziel, eine Forbes-Zertifizierung zu erreichen.
Ihre Gastronomie besteht ja aus vier Säulen: Le Sept, Brasserie, The Cafe sowie Izakaya & Bar. Können Sie die Unterschiede kurz skizzieren?
Das Le Sept ist das Fine Dining-Konzept, für das unser Küchenchef Thomas Seifried ebenso verantwortlich zeichnet, wie für das Casual-All-Day-Konzept der Brasserie. Seifried war schon auf der ganzen Welt unterwegs und hat auch schon im 3-Sterne-Bereich gearbeitet. Sein Fokus liegt auf Seafood und Fisch, was sich in beiden Konzepten widerspiegelt. Im Le Sept ist unser Ziel ein Michelin-Stern und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das schaffen. „Izakaya“ ist ein japanischer Ausdruck für eine gesellige Gastwirtschaft, da wollten wir auch mit dem Namen unsere asiatische Herkunft einfließen lassen. Außerdem arbeiten wir bei unseren Cocktails viel mit Sake, aber natürlich gibt es auch klassische Drinks. Und das „Cafe“ bietet eben Kaffeespezialitäten, eine Tortenauswahl und was man sonst in einem Kaffeehaus erwartet.
Wie sind ihre Erwartungen an die Gastronomie – auch angesichts der Tatsache, dass Hotelgastronomie in Wien generell einen schweren Stand hat?
Es gibt in Österreich tatsächlich diese Hemmschwelle, in ein Hotel essen zu gehen, aber die ersten Wochen im Dezember haben uns gezeigt, dass das Angebot angenommen wird. Wir bemühen uns auch um ein Preisniveau, das nicht den Rahmen sprengt. Das große Menü im Le Sept liegt bei etwa 200 Euro, in der Brasserie kosten Hauptspeisen 30 – 40 Euro. Das ist für Wien schon okay, denke ich.
Ende Jänner kommt mit Richard Ekkebus – 3-Sterne-Koch aus dem Mandarin Oriental in Hongkong – ein Gastkoch in das Le Sept, der gemeinsam mit Thomas Seifried kochen wird. Ist das ein einmaliger Event oder soll es solche Gastköche regelmäßig geben?
Das ist jetzt einmal ein Anfang, aber wir planen schon zwei bis drei solcher Events pro Jahr. Für das zweite Quartal und für den Herbst haben wir jedenfalls schon diesbezügliche Pläne. Wir haben in der Gruppe sehr viele tolle Köche auf Sterneniveau, die hier sicher eine Bereicherung wären. Aber es kann durchaus auch einmal ein Küchenchef von außerhalb kommen, warum nicht? Uns ist es wichtig, Aktivitäten zu bieten, mit denen man Gäste in das Restaurant bringt.
Welchen Gästemix Hotelgast vs. extern erwarten Sie?
Ich denke, dass externe, lokale Gäste den größeren Anteil ausmachen werden. Unser Anspruch ist es, die Gastronomie nicht nur für Hotelgäste, sondern bewusst auch für Wiener zu öffnen und als attraktiven Treffpunkt in der Stadt zu etablieren. Ergänzend dazu planen wir ein- bis zweimal im Monat einen Brunch, der gezielt auch ein lokales Publikum ansprechen soll.
In Wien werden heuer noch mehrere Hotelneueröffnungen erwartet – ist das Gästepotential dafür vorhanden und belebt Konkurrenz das Geschäft oder drückt es den Marktpreis?
In unserem Segment sehe ich hier keinerlei Problematik. Grundsätzlich empfinde ich neue Hotelprojekte als Belebung für den Markt, von der letztlich die gesamte Stadt profitiert. Wien verzeichnet seit Jahren sehr starke Zuwachsraten im Tourismus und überzeugt mit einer außergewöhnlichen Kombination aus Kultur, Lebensqualität und Sicherheit. Es ist eine der schönsten, lebenswertesten und sichersten Städte der Welt – und mittlerweile auch eine der freundlichsten.
Vor diesem Hintergrund mache ich mir keine Sorgen um das Gästepotenzial. Wettbewerb belebt das Geschäft, setzt Impulse und trägt dazu bei, dass sich Qualität und Angebot kontinuierlich weiterentwickeln.
Zur Person: Mario Habicher stammt aus Tirol und war im Laufe seiner Karriere u.a. in München, Paris, Sidney, Südkorea, China oder Russland tätig. 2015 übernahm er die Direktion des Hotels Imperial in Wien für neun Jahre und seit 2024 leitet er die Vorbereitungen für die Eröffnung, bzw. seit Dezember den laufenden Betrieb des Mandarin Oriental, Vienna.