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Tafel vor einem Gasthaus mit der Aufschrift "Heute im Angebot: bürokratisches Spar-Menü

Von wegen Entbürokratisierung

Eigentlich sollten Gastronomen und Hoteliers künftig von der Flut an Vorschriften und Gesetzen zumindest ein wenig entlastet werden. Aktuelle Forderungen nach staatlich verordneten Preisen auf der Speisekarte oder der altbekannten Herkunftskennzeichnung zeigen leider in die Gegenrichtung. Ein Kommentar von Clemens Kriegelstein

Wenn es nicht so frustrierend wäre, wäre es eigentlich fast lustig: Einerseits ächzt die Branche unter einer ausufernden und alles erdrückenden Bürokratie, die der aktuelle Deregulierungs-Staatssekretär und ehemalige ÖHV-Präsident Sepp Schellhorn versucht, zumindest ein wenig einzubremsen, andererseits vernahm man zuletzt innerhalb weniger Tage gleich zwei Meldungen, die exakt das Gegenteil bewirken würden. Zuerst kam aus Regierungskreisen der Vorschlag, um den hohen Preisen in der Gastronomie den Kampf anzusagen, müsse es ein verpflichtendes „Spar-Menü“ auf den Speisekarten des Landes geben. Und als die Branche mit dem Kopfschütteln noch gar nicht fertig war, hat der Bauernbund seine altbekannte Forderung nach einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie erneuert. Entbürokratisierung sieht anders aus!

Über den ersten Vorstoß braucht man ohnehin nicht mehr zu reden, das Wichtigste wurde bereits gesagt, daher nur noch so viel: Ein gesetzlicher Eingriff in die Kalkulation von freien Unternehmern ist schon prinzipiell ein Unding, der Vergleich mit dem Jugendgetränk hinkt dabei nicht nur, der geht auf Krücken. Das beginnt schon bei der Definition, wie solche Spar-Gerichte aussehen müssten. Dagegen ist die Festlegung, welche Grundnahrungsmittel künftig im Handel geringer besteuert werden sollen, ein Spaziergang. Man darf daher zuversichtlich sein, dass dieser Vorschlag ebenso schnell wieder in den Schubladen der Politik verschwindet, wie er hervorgeholt wurde.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Problematischer ist aber das Thema „Herkunftskennzeichnung“, das in bester „Und täglich grüßt das Murmeltier“-Methode bereits seit vielen Jahren in regelmäßigen Abständen die Branche heimsucht. Weniger Bürokratie würde es jedenfalls nicht bringen, wenn ein Wirt seine Karte umschreiben muss, sobald er beim Einkauf im C&C-Markt mal Steaks aus Uruguay statt aus Österreich kauft, weil diese grad im Angebot sind oder einfach, weil sie schöner marmoriert sind. Oder die Muscheln aufgrund besserer Verfügbarkeit aus dem Atlantik statt aus dem Mittelmeer kommen. Und wenn heute Irgendwo um 12 Euro ein Schnitzel angeboten wird, das ob seiner Größe selbst starke Esser an ihre Grenzen bringt, dann braucht man kein Hellseher zu sein, um zu vermuten, dass das Fleisch dafür eher nicht vom Biobauern im Nachbarort stammt.

Dass diese Diskussion auch deswegen geführt wird, weil es in der Branche leider ein paar schwarze Schafe gibt, die etwa ihr „österreichisches Kalbfleisch“ aus den Niederlanden beziehen, wie jüngst ein Bericht des ORF belegt hat, ist zwar traurig, aber kein valides Argument. Es soll ja schließlich auch Wirte geben, bei denen der „hausgemachte Erdäpfelsalat“ aus dem 5kg-Kübel des nächstgelegenen C&C-Marktes kommt. Wollen wir demnächst also auch eine verpflichtende Angabe auf der Speisekarte, bei welchen Gerichten Kollege Convenience mitgeholfen hat?

PS: Welche Blüten das Thema Gastropreise treiben kann, sieht man an zwei Medienberichten der letzten Tage, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Zum einen ein neues Wiener Café im 4. Bezirk, das mit Preisen von 3,90€ für ein Krügel Bier und 1,90€ für einen Espresso (im Stehen an der Bar getrunken sogar nur 1 €) bewusst zeigen möchte, dass es auch anders geht, auf der anderen Seite ein etabliertes Lokal am Donaukanal, das bei Hauptspeisen-Preisen von durchschnittlich 25 – 30€ plötzlich das nach eigenen Angaben „exklusivste Schnitzel Österreichs“ anbietet: 250 gr. Wagyu-Filet paniert und gebacken, mit Blattgold und Zitronenparfum veredelt, begleitet u.a. von 125 gr. Kaviar. Der Preis für zwei Personen: schlanke 395€. Wie oft sich dieses „Kaiser Franz“-Schnitzel dauerhaft verkaufen wird, wird sich zeigen, aber allein die kostenlose PR in allen Medien war schon mal unbezahlbar!

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geschrieben am

25.01.2026