Es geht um die Wurst: Kletzl ist zurück
Wenn Traditionsmarken verschwinden, geht meist mehr verloren als ein Produkt. Es verschwindet ein Stück regionaler Identität. Umso bemerkenswerter ist das Comeback von Kletzl: Mit der Übernahme der oberösterreichischen Kultmarke investiert die Metzgerei Wasner aus Bad Birnbach (Bayern) 3,5 Millionen Euro in den Standort Wildenau und baut ihn zu einem Kompetenzzentrum für Rohwurst und Salami aus. Das Ziel ist klar: Die Marke Kletzl soll in Österreich wieder ihren angestammten Platz einnehmen – und künftig auch in Deutschland neue Märkte erschließen.
Mehr als eine Übernahme
Für das Familienunternehmen Wasner war die Übernahme im März 2025 weit mehr als ein Zukauf. Wildenau verfügt über jahrzehntelanges Know-how in der Herstellung hochwertiger Rohwurstprodukte – Kompetenzen, die heute gefragter sind, denn je. Statt Produktionskapazitäten am Stammsitz in Bad Birnbach auszubauen, entschied sich das Unternehmen bewusst für die Revitalisierung eines traditionsreichen Betriebs, der über Generationen hinweg für handwerkliche Wurstqualität stand.
Seit August 2025 läuft die Produktion wieder. Auf rund 5.000 Quadratmetern entstehen heute monatlich rund 120 Tonnen Fleisch- und Wurstwaren, die jeweils zur Hälfte für den österreichischen und den deutschen Markt bestimmt sind.
Wildenau wird zum Rohwurst-Zentrum
Rund 70 Prozent der Produktion entfallen auf Rohwurst und Salami – jenes Segment, in dem Kletzl seit Jahrzehnten seine größte Stärke besitzt. Die übrigen 30 Prozent bestehen aus Brühwurst, Leberkäse und weiteren Metzgereispezialitäten.
Gerade Rohwurst erlebt seit einigen Jahren eine Renaissance. Hochwertige Snackprodukte, regionale Spezialitäten und handwerklich erzeugte Wurstwaren gewinnen sowohl im Lebensmittelhandel als auch in Gastronomie und Hotellerie wieder an Bedeutung. Für Wasner ist Wildenau deshalb weit mehr als ein zusätzlicher Produktionsstandort – vielmehr bündelt das Unternehmen hier gezielt seine Kompetenz in einem Marktsegment mit Wachstumspotenzial.
Das Kletzerl als Markenikone
Im Mittelpunkt steht natürlich das Kletzerl – eine der bekanntesten Rohwurstspezialitäten Österreichs und für viele untrennbar mit der Jausenkultur verbunden. Dass das Original nur in Wildenau entstehen kann, davon ist das Unternehmen überzeugt. Ausschlaggebend seien nicht allein Rezeptur und Gewürze, sondern das Zusammenspiel hochwertiger Rohstoffe, traditioneller Herstellungsverfahren, optimaler Reifebedingungen und des handwerklichen Know-hows der Mitarbeiter.
Erfahrung bleibt im Unternehmen
Mindestens ebenso wichtig wie Maschinen und Gebäude war für Wasner das Wissen der Menschen. Standortleiter Hermann Haider, Metzgermeister und Koch mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung, verantwortet den Wiederaufbau des Betriebs.
Von den derzeit rund 35 Beschäftigten arbeiteten bereits 25 vor der Übernahme in Wildenau. Dieses eingespielte Team sorgte dafür, dass Produktionsabläufe und handwerkliche Qualität nahtlos fortgeführt werden konnten. Mittelfristig soll die Belegschaft auf rund 60 Mitarbeiter wachsen. Auch bei der Beschaffung setzt Wasner auf Regionalität. Das Fleisch stammt aus regionalen Schlachthöfen, die Gewürzmischungen werden nach eigenen Rezepturen von einem Partner in Salzburg hergestellt.
Zwei Standorte, eine Philosophie
Mit Bad Birnbach und Wildenau verfügt Wasner heute über zwei Produktionsstandorte, die nur rund 40 Kilometer voneinander entfernt liegen. Beide verbindet dieselbe Philosophie: regionale Rohstoffe, handwerkliche Verarbeitung und moderne Produktionsstandards.
Parallel treibt das Unternehmen auch den Markenauftritt voran. Die "frechen Kletzerl" sollen der Traditionsmarke ein zeitgemäßes Gesicht verleihen, während digitale Kampagnen und Social-Media-Formate neue Zielgruppen ansprechen sollen.
Ein wichtiger Schritt für die nächsten Jahre: der Ausbau der Präsenz in Deutschland und die vollständige Auslastung der Produktionskapazitäten innerhalb der kommenden zwei Jahre.