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Espresso wird zubereitet

Kaffee nicht geringschätzen

Der 1. Oktober ist der Tag des Kaffees. In Österreich eigentlich eine Art inoffizieller Feiertag, konsumieren wir doch rund 50 Prozent mehr Kaffee als die Italiener. Doch nicht überall wird der Kaffee mit der Sorgfalt zubereitet, die er eigentlich – nicht zuletzt aufgrund der aufgerufenen Preise in der Gastronomie – verdient. Ein Kommentar von Clemens Kriegelstein

Österreich ist ein Bierland? Stimmt schon, mit knapp 100 Liter Gerstensaft pro Kopf sind wir hinter den Tschechen Weltspitze. Aber viel mehr noch sind wir eigentlich ein Kaffeeland: Da schaffen wir nämlich satte 162 Liter pro Kopf (über 5 Kg) und Jahr. Kein Wunder, das Kaffeehaus ist bei uns eine geheiligte Institution und in den letzten Jahren ist der Kaffee – speziell der Coffee to go – gerade unter der jungen Bevölkerung zu einem Lifestyle-Accessoire geworden. 94,2 Prozent der Gen Z kaufen ihren Kaffee für unterwegs, 78,6 Prozent treffen sich im Kaffeehaus zu wichtigen Gesprächen, wie der heimische Kaffeeverband dieser Tage veröffentlicht hat.

Doch der Out-of-house-Kaffee bekommt immer mehr Konkurrenz. Wer früher einen guten Espresso, Cappuccino oder Latte Macchiato trinken wollte (heimische Bezeichnungen wie Mokka, Brauner, Melange oder Verlängerter sind zugunsten der italienischen Varianten zumindest außerhalb der traditionellen Kaffeehäuser sukzessive auf dem Rückzug) kam nicht umhin, dafür die Gastronomie aufzusuchen. Heute können Vollautomaten (und auch manche Kapselmaschinen) zu Hause beinahe alles auch in zufriedenstellender Qualität – um einen Bruchteil des Gastropreises. Umso unverständlicher ist es dann, wenn manche Lokale um teures Geld einen lieblosen Kaffee servieren, den der Gast zu Hause besser hinbekommt. „Die Spanne beim Kaffee ist so hoch – da fallen die paar Euro mehr, die Kaffee guter Qualität im Einkauf kostet, auf die Tasse gerechnet kaum ins Gewicht und bei den Preisen, die wir verlangen, möchte ich unseren Gästen zumindest eine Top-Qualität servieren“, hat mal der F&B-Manager eines bekannten Wiener Hotels erklärt.

Doch diese Botschaft dürfte nicht bei allen Betrieben angekommen sein, wie man dieser Tage den Ausführungen des Mitarbeiters einer heimischen Rösterei entnehmen konnte: „Wir führen auch sensorische – und Qualitätsschulungen mit Gastromitarbeitern durch und regelmäßig sind bei diesen Kursen Leute dabei, die überhaupt keinen Kaffee trinken und sich für die Thematik eigentlich auch nicht interessieren…“ Dass das nicht die optimalen Voraussetzungen sind, um ein Top-Produkt anzubieten, versteht sich von selbst. Und ein Top-Produkt sollte sich der Gast bei Preisen von rund sieben Euro, die heute schon für einen Cappuccino oder Caffé Latte verlangt werden, erwarten dürfen. Es hat schon einen Grund, warum Kaffee-Aficionados so oft sehnsüchtig Richtung Italien blicken. Das liegt nicht nur an den Preisen (auch wenn der Unter-1-Euro-Espresso auch in Bella Italia so gut wie ausgestorben ist), sondern vor allem an der Qualität. Schlechten Kaffee in Italien zu bekommen, ist beinahe eine Kunst, die Autogrill-Kaffees auf den Autobahn-Raststationen sind ohnehin legendär. Im Gegensatz dazu hat man hierzulande – selbst in namhaften Betrieben – beim Kaffee bisweilen das Gefühl, dass hier bei der Qualität noch Luft nach oben wäre. Und das ist schade. Wie gesagt: Die Österreicher lieben ihren Kaffee und sie sind auch bereit, für diesen Genuss Geld in die Hand zu nehmen. Aber dafür darf man dann auch erwarten, dass der Gastronom den Kaffee nicht nur als Cashcow sieht, sondern dem Produkt auch die entsprechende Aufmerksamkeit widmet.

geschrieben am

29.09.2026