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Die Laune beim Bezahlen der Rechnung in der Gastronomie ist in vergleichbaren Ländern auch nicht viel besser als in Österreich.

Ist Österreich wirklich zu teuer?

Die Vorwürfe, die heimische Gastronomie sei einer der größten Inflationsbeschleuniger, reißen nicht ab. Vor allem im Ausland könne man deutlich günstiger essen und trinken gehen. Doch diese Vorwürfe stimmen nur teilweise. Ein Kommentar von Clemens Kriegelstein

Freunde kamen kürzlich von einer Reise durch den Norden Spaniens zurück und waren begeistert: Tolles Essen und Preise, bei denen des Ausgehen Spaß macht. Eine Flasche Wein – und zwar auch die guten Qualitäten – im Lokal um über 20 Euro müsse man etwa mit der Lupe suchen. Szenenwechsel ins Friaul, wo ich selbst gerade ein paar Tage verbringen durfte. Kurz-Conclusio: Selbst weit abseits aller Tourismusgebiete sind dort die Preise angemessen, aber weit von billig entfernt. Ok, Getränke (Kaffee, Wasser, Wein, mit Ausnahme von Bier – das war aber nie anders) und Pizza sind günstiger, aber selbst in einer einfachen Osteria, irgendwo im Nirgendwo, liegen Pastagerichte bei 10 – 15 Euro, Fleisch kommt auf 15 – 20 Euro. Dazu natürlich das obligate Coperto für ein paar Industrie-Grissini und ein Stück Brot. Ein gemeinsamer Teller Antipasti davor und ein paar Gläser Bier und Wein und man geht pro Person mit 50 Euro aus dem Lokal. Das ist für das Gebotene absolut in Ordnung (die Qualität der Gerichte war durch die Bank hervorragend, „fatto in casa“ dürfte in unserem Lieblings-Nachbarland noch Ehrensache sein), aber dieses Preisniveau schaffen die meisten heimischen Gasthäuser auch. Zuletzt noch ein Blick in das boomende Touristenland Kroatien, wo seit der Euro-Einführung vor drei Jahren viele Hemmungen bei der Preisgestaltung gefallen sind und oft genug fassungslose Gäste nur mit sehr viel gutem Willen die servierten Speisen mit den dafür aufgerufenen Preisen in Einklang bringen können.

Natürlich ist auch bei uns manche Kalkulation grenzwertig und manche Wirte gestehen unter vier Augen ganz offen, dass sie halt „die Preise verlangen, die die Leute zu zahlen bereit sind“. Ein Skandal? Man zeige mir einen Wirtschaftsbereich, in dem nicht Angebot und Nachfrage den Markt regeln und Unternehmer logischerweise versuchen, einen möglichst hohen Profit zu machen. Klar kann die Sache auch eine Gratwanderung sein: Wer es übertreibt, bleibt auf seinem Angebot sitzen. Ein zu hoher Aufschlag auf eine Flasche Wein, die sich null mal verkauft, ergibt auch null Gewinn.

Problematisch wird die Sache dann, wenn sich zu überproportional steigenden Preisen schlechtere Produktqualität gesellt, wenn die Convenience-Ware (und zwar die billige) schon von der Ferne sichtbar ist, wenn das 6-Euro-Krügel vom überforderten Kellner aus mehreren anderen vorgezapften Gläsern zusammengepanscht wird, wie jüngst bei einem Event selbst erlebt. Aber auch das sollte ein Markt regeln können und entweder, es finden sich genügend Leute, die trotzdem hingehen, oder nicht – dann gibt es eben bald einen Anbieter weniger.

Aber die Unkenrufe, dass die Gastronomie in Österreich für das Gebotene zu teuer sei, andere Länder ein wesentlich besseres Preis-Leistungsverhältnis hätten, stimmt eben nur bedingt und hängt natürlich auch mit unterschiedlichen Preisstrukturen ab. Um beim Spanien-Beispiel zu Anfang des Textes zu bleiben: Sowohl die Mitarbeiter- als auch die Energiekosten in der spanischen Pampa liegen natürlich ein ganzes Stück unter unserem Niveau. Was indirekt ja auch von den (internationalen) Touristen bestätigt wird, die für eine Rekordsaison nach der anderen sorgen und das kaum täten, wenn preistechnisch hierzulande alles im Argen liegen würde.

geschrieben am

23.06.2026