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Hotellehrlinge sind in Österreich überdurchschnittlich zufrieden mit ihrer Ausbildung.

Hotellehrlinge über Schnitt zufrieden

Eine Lehrlingsbefragung rückt das Bild der zu Unrecht gescholtenen Branche ins rechte Licht. Wo Handlungsbedarf besteht, soll nachgebessert werden.

„Wären alle Beschäftigten in Österreich so zufrieden wie die Lehrlinge der Hotellerie, wäre das Arbeitsleben schöner“, fasst der Generalsekretär der Österreichischen Hotelvereinigung, Markus Gratzer, die erfreulichen Ergebnisse einer bundesweiten Lehrlingsbefragung zusammen – neben der Praktikanten-Befragung die zweite große Nachwuchs-Analyse der ÖHV: „Uns geht es um die Zukunft der Branche. Systematische Studien, laufende Evaluierung und zielorientierte Maßnahmen zur Hebung der Branchenstandards sind da unverzichtbar“, ist Gratzer überzeugt.

EUCUSA erhob für die ÖHV die Zufriedenheit der Lehrlinge in der Branche. Über alle Fragen hinweg ergab sich eine Note von 2,3 auf einer Skala von 1 bis 6. Im Durchschnitt aller Beschäftigten in Österreich liegt die Zufriedenheit bei 2,7. „Die Lehrlinge in der Hotellerie sind signifikant zufriedener sind als erwachsene Mitarbeitende über alle Branchen hinweg“, erklärt Studienautor EUCUSA-Geschäftsführer Peter Aichberger. Teilgenommen haben an der Befragung 7,9 Prozent der Hotel-Lehrlinge im Land – also eine beachtliche Stichprobe.

Die Kernaussagen

  • Sehr wichtig ist den Jugendlichen Spaß an der Arbeit: Das wird in hohem Ausmaß erfüllt.
  • Die Zufriedenheit mit der Hilfsbereitschaft von Kollegen und der Erreichbarkeit von Ansprechpartnern, Fairness und Kenntnis der Erwartungen liegen im oberen Mittelfeld.
  • Die Erwartungen, was vielfältiges Arbeiten, Nähe zu Vorgesetzten, tragfähige Teams und klare Rahmenbedingungen angeht, werden in sehr hohem Ausmaß erfüllt.
  • Besonders zufrieden sind die Lehrlinge in typischen KMU, diese punkten mit flachen Hierarchien und der raschen Erreichbarkeit von Ansprechpersonen.
  • Nach Lehrberufen punkten Hotelkauffrau bzw. -mann vor Hotel- und Restaurantfachfrau/-mann.

„Das ist das realistische und in Summe sehr positive Bild einer Branche, die offensichtlich zu Unrecht dauernd an den Pranger gestellt wird. Die Bewertungen stammen von den Lehrlingen aus der österreichischen Qualitätshotellerie, das ist ernst zu nehmen“, so Gratzer. Angesprochen auf das Bild, das die Gewerkschaft von der Branche zeichnet, hat er eine einfache Erklärung: „Wir könnten die Befragung auch ins Negativen kehren, indem wir nur die kritischen Punkte veröffentlichen. Aber wir brauchen ein gesamtheitliches und authentisches Bild. Das liefert diese neutrale Studie“, so Gratzer.

Klares Ziel: besser werden

Eine konstruktiv-kritische Herangehensweise heißt für Gratzer auch, die Kritik der Befragten an den Dienstzeiten und der Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit und das Verbesserungspotenzial beim Arbeitsklima, der Offenheit im Betrieb und dem Stellenwert der Lehrlinge ernst zu nehmen: „So wichtig die faire Darstellung der Branche ist, so wichtig ist es auch bei den konkreten Kritikpunkte besser zu werden. Wir werde die Ergebnisse der Studie laufend an die Branche kommunizieren und nachhaltig an konkreten Lösungen arbeiten“, so Gratzer.

Reiter‘s Supreme Hotel und Gasthof Fischer an der Spitze

Die mit 1,7 beste Bewertung bekamen die Reiters Hotels, was Nikola und Karl Reiter sehr freut: „Noch wichtiger als dieses besondere Ergebnis ist für uns jedoch die Entwicklung der jungen Menschen, die ihre Ausbildung bei uns absolvieren. Wir sehen die Lehrlingsausbildung als eine Investition nicht nur in die Zukunft unseres Unternehmens, sondern vor allem in die Zukunft jedes einzelnen Lehrlings.“ Ihre Lehrlinge sollen fachlich lernen und als Persönlichkeit wachsen: „Selbstvertrauen entwickeln, Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und ihre eigenen Stärken entdecken.“ Besonders wertvoll ist der ehrliche Einblick in die Sichtweise der Lehrlinge. „Sie zeigt uns, was bereits gut gelingt und wo wir uns weiter verbessern können.“

Ebenfalls mit 1,7 wurde der Gasthof Fischer in Marchtrenk von seinen Lehrlingen belohnt. Für Gastgeberin Elisabeth Fischer war sie wertvoll, weil sie zeigt, wie die Lehrlinge den Alltag im Betrieb wirklich erleben. „Dass die Zufriedenheit bei unseren derzeit acht Lehrlingen so hoch ist, freut uns besonders, denn wir investieren sehr bewusst viel Zeit und Energie in eine gute Ausbildung. Wichtig finde ich, dass sie verlässliche Ansprechpartner haben, auf Augenhöhe behandelt werden und sich mit allen Anliegen melden können. Gute Ausbildung braucht fachliche Kompetenz – aber vor allem Menschen, die junge Talente mit Herz, Geduld und Verantwortung begleiten!“

geschrieben am

10.07.2026