Günstige Speisen per Gesetz?
Die Inflation hat Österreich nach wie vor fest im Griff und dass gerade in der Gastronomie die Preise rapid steigen (aus welchen Gründen spielt hier keine Rolle), ist ebenfalls evident. In den Regierungsparteien geistert daher seit kurzem die Idee herum, in der Gastronomie nach dem Vorbild eines günstigen Jugendgetränks auch ein günstiges Gericht einzuführen – ob freiwillig oder verpflichtend ist dabei noch offen. Ebenso die Rahmenbedingungen: Hauptgericht unter zehn Euro? Portionsgröße? Zutaten – oder gilt auch eine Eierspeis mit einer Semmel?
"DDR-Politik"
Alois Rainer, Obmann der Bundessparte Gastronomie in der Wirtschaftskammer hält von der Idee im gastroreport-Gespräch jedenfalls auffallend wenig: „Vorgeschriebene Gastronomiepreise? Das klingt ja wie in der DDR! Wir haben extrem hohe Energie- und Mitarbeiterkosten, eine unfassbare Bürokratie – die Preise kommen ja nicht von ungefähr. Außerdem bieten ja jetzt schon viele Betriebe freiwillig günstige Mittagsmenüs oder Tagesgerichte an. Andere Betriebe spezialisieren sich da in eine andere Richtung und das ist zu respektieren.“ Für Rainer ist es Teil der unternehmerischen Freiheit, wie sich ein Wirt positioniert und so solle es auch bleiben.
"Praktischer Nutzen überschaubar"
Ein wenig ratlos zeigt sich Wiens Gastro-Obmann Thomas Peschta: „Mit uns hat bis jetzt noch niemand gesprochen, das ist irgendeine Schlagzeile und keiner weiß, was dahintersteckt. Das sind ungelegte Eier, zu denen man wenig sagen kann. Essenziell bei der Thematik ist natürlich die Freiwilligkeit! Es gibt so viele Betriebsvarianten – was will man da wem vorschreiben? Wie viel ein Kebab mit Cola kosten darf? Oder ob das Steirereck jetzt ein Hauptgericht unter zehn Euro anbieten muss? Und muss da Fleisch dabei sein oder soll es vegetarisch sein? Das ist ja alles nicht realistisch. Wenns einer freiwillig macht, ist es kein Thema. Aber wer sich gerne so positioniert, der wird wahrscheinlich ohnehin schon ein günstiges Tagesgericht anbieten.“ Wie weit so eine Maßnahme die Inflation dämpfen soll, kann sich Peschta überhaupt nicht vorstellen. Da solle sich die Regierung eher überlegen, die Steuerlast von den Betrieben zu nehmen und die Energiepreise zu senken. „Reden kann man über alles, aber die praktische Umsetzbarkeit und der praktische Nutzen sind hier meiner Meinung nach sehr überschaubar“, so Peschta gegenüber gastroreport.