Fake-Bewertungen als Gefahr
Der Gedanke war bestechend: Durch die Demokratisierung des Internets soll es zu einer Art „Schwarmwissen“ kommen, jeder kann seine Erfahrungen mit diversen Produkten und Dienstleistungen teilen und wenn man etwa ein Hotel oder Restaurant sucht, ist man nicht nur auf die offiziellen Bewertungen mit Sternen oder Hauben angewiesen, sondern kann sich auch ein Bild von authentischen Erfahrungen echter Konsumenten machen. Soweit zumindest die Theorie.
Die Praxis sieht indes oftmals anders aus. Dass sich Top-Bewertungen im Tausender-Pack online leicht kaufen lassen, hat sich bald herumgesprochen. Viel problematischer aber ist das bewusste verbreiten falscher Negativbewertungen, entweder aus persönlicher Rache („Ich habe kein kostenloses Zimmerupgrade bekommen. Das sollen die mir büßen.“) oder aus – meist politischem – Kalkül. Die Folgen können desaströs sein.
Eines der negativsten diesbezüglichen Beispiele: Eine farbige Frau hat sich in einem Traditionsgasthaus im 2. Bezirk in Wien niedergelassen und behauptete danach, sie sei vom Kellner bewusst ignoriert worden, bis ihr „schon die Tränen gekommen sind“. Das können nur an ihrer Hautfarbe gelegen sein. Die Frau wandte sich daraufhin an eine nicht ganz unbekannte Links-Aktivistin, die prompt auf X (damals noch Twitter) einen Wirbel sondergleichen machte. Eine dunkelhäutige Freundin von ihr sei in einem Wiener Traditionsbeisl im 2. Bezirk „nicht bedient (worden) weil sie schwarz ist. Ich finde ihr solltet das wissen“, empörte sie sich. Genannt wurde dabei natürlich besagtes Gasthaus mit vollem Namen. Das Lokal strengte daraufhin einen Prozess wegen Verleumdung und Kreditschädigung an, da man beweisen konnte, dass die Causa sich völlig anders zugetragen hatte. Besagte Aktivistin bekam dann doch plötzlich kalte Füße, fand es erstmals der Mühe wert, das Gespräch mit der Wirtin zu suchen und entschuldigte sich öffentlich. Doch die Sache war damit für das Lokal noch nicht ausgestanden: Denn erstens war die mediale Aufmerksamkeit anlässlich der Vorwürfe deutlich größer als nach dem außergerichtlichen Vergleich. Aber zweitens – und jetzt kommen wir zum Punkt – fanden sich damals auf diversen Online-Plattformen plötzlich haufenweise 1-Sterne-Bewertungen von Personen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nie einen Fuß in das Lokal gesetzt hatten. Wie groß alleine der Schaden dadurch war, wird sich kaum je beziffern lassen.
Ein Problem jedenfalls, das auch jeder Hotelier oder Gastronom kennt, der es wagt der FPÖ oder einer anderen „umstrittenen Gruppierung“ etwa Veranstaltungsräume zur Verfügung zu stellen. So schnell kann man gar nicht schauen, wie die die durchschnittliche Online-Bewertung quasi im Stundentakt sinkt. Die einschlägige Szene ist diesbezüglich gut vernetzt.
Manchmal sind die Hintergründe aber auch einfach nur kriminell und haben Schutzgeld-Charakter: Fake-Bewertungen werden hier massenhaft von Bots erstellt, zwielichtige Agenturen bieten dann gegen teures Geld das Löschen negativer Bewertungen an.
Auch die ÖHV hat jetzt auf das Problem reagiert und fordert in Österreich eine Übernahme des italienischen Modells, bei dem Online-Bewertungen nur mehr von Leuten abgegeben werden dürfen, die besagte Produkte oder Dienstleistungen auch nachweislich in Anspruch genommen haben. „Dann ziehen Europas führende Tourismusländer an einem Strang und davon profitieren auch Anbieter aus anderen Branchen, die Plattformen selbst und der Konsumentenschutz“, so ÖHV-Präsident Walter Veit. Es wäre demnach Zeit für die Regierung zu handeln. Eine einfache Gesetzesänderung, die nichts kostet, aber viel bringt und auch kaum auf nennenswerten Widerstand stoßen sollte.