„Extrem starke Last Minute Saison“
Gastroreport: Hr. Schönbacher, wie beurteilen Sie die bisherige Sommersaison 2026 im Vergleich zum Vorjahr?
Helmut Schönbacher: Wir erleben derzeit eine extrem starke Last Minute Saison. Nach einer Phase der Zurückhaltung im Frühjahr – bedingt durch die geopolitischen Unsicherheiten im Nahen Osten – sehen wir jetzt einen massiven Aufholeffekt. Die Reiselust ist ungebrochen, und die Buchungszahlen ziehen aktuell ordentlich an.
Haben sich die Buchungsfenster verändert? Buchen Kunden früher oder kurzfristiger?
Das Buchungsfenster hat sich spürbar verkürzt. Aufgrund der abwartenden Haltung der Konsumenten in den vergangenen Monaten verzeichnen wir aktuell ein deutlich höheres Volumen an Last Minute Buchungen im Vergleich zum Vorjahr.
Welche Rolle spielen Last-Minute-Angebote aktuell?
Last Minute Angebote spielen in diesem Sommer eine absolute Hauptrolle. Für uns als Spezialist zeigt sich, dass Flexibilität bei der Urlaubsplanung heuer der Schlüssel zu den besten Angeboten ist.
Welche Destinationen sind in diesem Sommer besonders gefragt?
Die Klassiker auf der Kurz- und Mittelstrecke führen das Ranking klar an. Besonders gefragt sind Griechenland, die Türkei, Spanien und Ägypten.
Gibt es Überraschungen bei den beliebtesten Reisezielen?
Besonders beeindruckend ist die Performance von Griechenland im Last Minute Segment. Das Land konnte seine ohnehin starke Spitzenposition mit einem deutlichen Buchungsplus von 35 Prozent bei Last Minute Buchungen im Vergleich zum Vorjahr noch einmal gut ausbauen.“
Gewinnen bestimmte Reiseformen – etwa Rundreisen, Kreuzfahrten oder Individualreisen – an Bedeutung?
Wir sehen in diesem Sommer einen klaren Trend: Für viele Urlauber stehen vor allem zwei Dinge im Mittelpunkt: möglichst viele Erlebnisse und gleichzeitig ein hohes Maß an Sicherheit und Flexibilität. Genau diese Kombination bieten Reiseformen wie Kreuzfahrten, die deshalb aktuell besonders gefragt sind. Auch die klassische Pauschalreise legt weiter zu, weil sie für viele Reisende Planungssicherheit mit attraktiven Urlaubserlebnissen verbindet. Individualreisen, bei denen Flug, Hotel oder Rundreise separat gebucht werden, sind derzeit dagegen etwas weniger gefragt.
Welche Erwartungen haben Sie an die zweite Sommerhälfte?
Wir blicken sehr optimistisch auf die zweite Sommerhälfte. Der starke Trend der letzten zwei bis drei Wochen zeigt uns, dass die Nachfrage nach kurzfristigen Urlaubsreisen auf diesem hohen Niveau stabil bleiben sollte.
Wie wirken sich geopolitische Entwicklungen auf die Nachfrage aus?
Die verzögerte Nachfrage im Frühjahr hat dazu geführt, dass viele Hotelkapazitäten verfügbar waren bzw. teilweise es noch sind. Für Urlauber ist das eine Chance: Hochwertige 4- und 5-Sterne-Hotels sind teils günstiger als im Vorjahr. Besonders Familien, die an die Ferienzeiten gebunden sind, profitieren aktuell noch von außergewöhnlich guten Preisen.
Wie verändert Künstliche Intelligenz die Kundenberatung und den Vertrieb?
Aktuell dient KI unseren Reisebüros vor allem als unterstützendes Tool. Sie hilft dabei, die Recherche bei Urlaubsberatungen etwas zu beschleunigen und schneller passende Infos zu finden. Gerade bei einem so emotionalen Thema wie Reisen bleibt die persönliche Beratung jedoch entscheidend: Die Erfahrung, das Fachwissen und das Gespür unserer Reiseexperten sind nach wie vor durch keine KI zu ersetzen.“
Welche langfristigen Veränderungen im Reiseverhalten erwarten Sie in den nächsten Jahren?
Die letzten Jahre haben gezeigt, dass geopolitische Krisen oder Ereignisse wie die Pandemie das Buchungsverhalten volatiler machen – in unsicheren Zeiten wird schlichtweg kurzfristiger entschieden. Langfristig sehen wir zwei klare Trends: Erstens bleibt der Strandurlaub die unangefochtene Lieblingsurlaubsform der Österreicherinnen und Österreicher. Zweitens gewinnen die Saisonränder durch die steigenden Temperaturen im Hochsommer an Bedeutung. Der Strandurlaub im Herbst wird in den kommenden Jahren zu einer festen Säule der Reisebranche. Schön wäre hierbei, wenn es wie in Deutschland eine zweite Herbstferien-Woche geben würde, und die Sommerferien dann etwas reduziert würden. So müssten nicht alle in exakt derselben Woche im Herbst auf Urlaub fahren.