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Über die KV-Löhne von Mitarbeitern in der Gastronomie sollte eigentlich jetzt gerade verhandelt werden.

Eskalation ohne Sinn

Mit seinem Angriff auf eine ganze Branche kurz vor Beginn der KV-Verhandlungen hat Gewerkschaftschef Roman Hebenstreit die Gesprächsgrundlage mit der Wirtschaftskammer torpediert. Dass ihm das nur „passiert“ ist, darf bezweifelt werden. Ein Kommentar von Clemens Kriegelstein

Dass es in Österreich in vielen Branchen – unter anderem in der Gastronomie – einen massiven Arbeitskräftemangel gibt, ist ein Faktum. Dass es andererseits eine hohe Arbeitslosigkeit in Österreich gibt, ebenso. Würde jetzt ein Arbeitgebervertreter hergehen und pauschal allen AMS-Kunden unterstellen, zu faul für eine geregelte Arbeit zu sein und lieber mit AMS-Geld und Schwarzarbeit ihr Leben zu bestreiten – der Aufschrei von Arbeiterkammer und Gewerkschaft wäre noch in Australien hörbar. Und das auch nicht zu Unrecht. Pauschalverurteilungen sind nie eine gute Idee, auch wenn manche Kritik einen wahren Kern haben sollte.

Nicht viel anders verhält es sich bei dem Disput um die abgebrochenen, bzw. gar nicht erst gestarteten KV-Verhandlungen in der Gastronomie. Wenn Gewerkschaftschef Roman Hebenstreit in einem Aufwaschen der gesamten Branche empfiehlt, „endlich unternehmerische Verantwortung zu lernen“ und zum Nächtigungsrekord des vergangenen Jahres meint „Was uns hier als Erfolg verkauft wird, ist in Wahrheit ein System, das von massiven Fehlentwicklungen, moralischer Schieflage und fiskalischer Malversation geprägt ist. Hinter den Jubelmeldungen verbirgt sich eine Branche, die Rekordgewinne privatisiert, aber ihre Risiken zu 100 Prozent sozialisiert.“, dann darf er sich nicht wundern, dass die Gegenseite verschnupft reagiert.

Auch der Vorwurf des „Zwischenparkens von Arbeitskräften“ beim AMS muss in Relation gesehen werden. Ziel der meisten Tourismusbetriebe ist ohnehin schon lange eine Saisonverlängerung – was auch immer besser gelingt – oder gar ein Ganzjahresbetrieb. In manchen Regionen allerdings ist dies nach wie vor nur schwer möglich. Ein Hotel hier außerhalb der Saison offenzuhalten und alle Beschäftigten zu bezahlen wäre in kürzester Zeit ruinös und würde in die Pleite führen. Wohl auch kaum im Sinne der Gewerkschaft.

Ohnehin ist die Frage, was Hebenstreit mit der Aussage so kurz vor den Verhandlungen bezweckt hat. „Passiert“ ist ihm das mit Sicherheit nicht, dafür ist der Gewerkschaftschef zu erfahren und zu lange im Amt, um nicht zu wissen, dass die Arbeitnehmervertreter hier nicht mit einem Schulterzucken zur Tagesordnung übergehen können. Wie gesagt, im umgekehrten Fall wäre ebenfalls Feuer am Dach.

Dass die Gastronomie derzeit aufgrund mehrerer Probleme in den Schlagzeilen steht, spielt dabei keine Rolle. Denn auch der oben genannte Vorwurf gegenüber AMS-Kunden wäre problemlos massenhaft belegbar. Bringt aber nichts. Auch die von Hebenstreit medienwirksam ins Spiel gebrachten 8,70 Euro für einen Cappuccino oder 14,50 Euro für ein Schmalzbrot sind diesbezüglich kein Argument und auch nicht sein Problem. Noch haben wir hier Marktwirtschaft und es obliegt jedem Unternehmer, seine Preise selbst festzusetzen. Wenn ein Wirt Gäste findet, die bereit sind, diese Preise zu bezahlen (ich persönlich würde das nicht tun), dann taugt er zwar vielleicht nicht als positives Aushängeschild der Branche, aber es ist immer noch seine Entscheidung. Zumal Einzelpreise aus Einzelfällen ohnehin kein geeigneter Maßstab für die Gesamtbeurteilung einer Branche mit sehr unterschiedlichen Standorten, Kostenstrukturen und Betriebsformen sind.

Also bitte, liebe Gewerkschaft, einmal tief durchatmen, ein kurzes „natürlich haben wir nicht die ganze Branche gemeint, sondern nur die leider existierenden schwarzen Schafe“ und dann zurück zum Start! Wäre doch nicht so schwer, oder?

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geschrieben am

10.02.2026