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Wo Schnitzel & Co herkommen, sollen Gäste künftig leichter erkennen können.

Brauchen wir eine Herkunftsangabe?

Die Forderungen nach einer flächendeckenden Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie werden wieder lauter. Solange diese nicht gesetzlich verpflichtend wird, gibt es auch keine seriösen Argumente dagegen. Die Frage ist nur, wie lange es bei der Freiwilligkeit bleiben würde. Ein Kommentar von Clemens Kriegelstein

Als gelernter Österreicher und EU-Bürger kann man schon mal ins Grübeln kommen, wenn bei einer neuen Regelung von „Freiwilligkeit“ die Rede ist. Das fängt beim Straßenverkehr an, wo die zahllosen piepsenden elektronischen Gouvernanten anfangs freiwillig in den Autos verbaut wurden und inzwischen verpflichtend jeden Lenker verlässlich in den Wahnsinn treiben und endet bei den Allergenangaben in der Gastronomie, deren praktischer Nutzen vermutlich überschaubar ist.

Aktuell betonen also Wirtschafts- und Landwirtschaftskammer unisono, dass ein künftiges System eines Herkunftsnachweises in der Gastronomie freiwillig sein sollte und jeder Zwang abgelehnt wird. Sollte es dabei bleiben, sollte man ein System etablieren, das die unbürokratische und unkomplizierte Herkunftsangabe von Fleisch, Eiern und Milchprodukten ermöglicht, wäre dies sicherlich ein interessanter Schritt zu mehr Transparenz und Qualität und natürlich würde das auch die Stellung der heimischen Landwirtschaft stärken. Wohlgemerkt: Das Zauberwort heißt „Freiwilligkeit“. Wer heute noch ein tellergroßes Schnitzel um zehn oder zwölf Euro anbietet, bei dem darf man davon ausgehen, dass das Schwein eher nicht vom Bio-Bauern ums Eck stammt und dort zu Tode gestreichelt wurde, sondern dass der Preis wichtiger ist als Qualität oder Regionalität – was schließlich auch ein legitimes Geschäftsmodell ist. Eine Verpflichtung, hier auf die Speisekarte zu schreiben, dass das Fleisch aus Polen stammt und die Eier aus Tschechien, würde wohl wenig bringen. Da genügt der Hausverstand.

Aber natürlich besteht die Gefahr, dass ein einmal etabliertes freiwilliges System bald auch zum Zwang wird. „In der Gemeinschaftsverpflegung funktioniert es ja auch“ ist jetzt schon ein beliebtes Argument. Bauern hätten logischerweise gerade in Zeiten des Mercosur-Abkommens ein Interesse an einer solchen Verpflichtung, der Verein „Land schafft Leben“ sieht die Freiwilligkeit daher lediglich als ersten Schritt, um das System „in einen verpflichtenden, praxistauglichen Rahmen zu überführen“. Wenig überraschend auch, dass sich die Grünen in einer Aussendung für eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie stark machen.

Bloß wenn es derzeit etwas gibt, an dem kein Mangel herrscht, dann ist es Bürokratie. Die Dokumentationspflichten in allen Bereichen – von der Hygiene bis zum Personal – legen in vielen Betrieben schon die Einstellung eines eigenen Dokumentationsmitarbeiters nahe, bzw. sorgen für zahllose Überstunden bei den Wirten. Eine weitere Verpflichtung zur Dokumentation wäre daher abzulehnen. Zumal sich Abläufe in der Gemeinschaftsverpflegung kaum 1:1 auf einen kleinen Wirt umlegen lassen. Im einen Fall arbeitet man mit großen Mengen, festgelegten Lieferanten und Speiseplänen, die meist über Wochen im Vorhinein festgelegt werden, im anderen Fall gibt’s vielleicht auch mal ein spontanes Tagesspecial, wenn ein befreundeter Jäger einen Hirschschlögel vorbeigebracht hat oder ein Pilzsammler einen Korb voller Steinpilze oder wenn der C&C-Markt grad Rindfleisch aus Uruguay im Angebot hat.

Alles, was also zu mehr Transparenz und vielleicht auch Qualität führt, unkompliziert handhabbar ist und auf Freiwilligkeit beruht, ist demnach positiv und ein Gewinn, alles, was zu Zwang und einem weiteren Bürokratiemonster führt, hingegen abzulehnen.

PS: In den kommenden Wochenwird auch die Gastroreport-Redaktion den einen oder anderen Sprung ins kühle Nass wagen. Bis Anfang September werden wir daher die Frequenz unseres Newsletters auf zweiwöchentlich beschränken. Aktuelle News erfahren Sie selbstverständlich weiterhin auf www.gastroreport.at. Reinschauen lohnt sich also immer. Und ab 8. September sind wir wieder wie gewohnt im Wochenrhythmus für Sie da.

geschrieben am

30.06.2026